Newsletter Weihnachten 2024

Mit unserem Jahresend-Rundbrief leuchten wir noch einmal das vergangene Jahr aus. Dabei richten wir die Scheinwerfer auf Projekte abseits dem gängigen Weihnachtstrubel. Ganz besonders freut es uns, dass die «Mäuse-Ausstellung» an der Getrudstrasse wieder passend zur Adventszeit neu gestaltet wurde. Lassen Sie sich überraschen!

Wir wünschen noch frohe Weihnachtstag und bis bald im neuen Jahr.

Ihr Quartiernetz3-Team

P.S. ab sofort spannen Tsüri.ch und Quartiernetz3 zusammen und werden in Zukunft noch mehr Spannendes aus dem Quartier und der Stadt Zürich berichten können.

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Neues aus dem Mäuse-Quartier



Veröffentlicht am: 23.12.2024

Seit Jahren entzückt im Rotachgeviert das «Mäusefenster» mit seinen tierischen Miniaturen und Installationen. Die jetzige Ausstellung stellt eine weitere Quartierfacette in den Mittelpunkt: Baustellen! 

Pete Mijnssen, Text & Fotos

Erika Ess beim Erklären ihrer liebevoll gestalteten Figürchen.

Erika und Peter Ess vor Ihrem Quartierschaufenster an der Getrudstrasse.



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10 Jahre öko, bio und fair am Idaplatz



Veröffentlicht am: 21.12.2024

Vor zehn Jahren eröffnete der Chornlade eine Filiale in Wiedikon. Inmitten angesagter Lokale rund um den hippen Idaplatz ist er inzwischen zur Institution geworden. Wie geht es ihm heute?

Text: Pete Mijnssen | Foto: zVg

Uwe Grützner setzt sich an den Tisch im Café Piazza, so wie man ihn kennt: bescheiden und unaufgeregt, aber mit viel Wissen. Seit über 25 Jahren ist er Teil der Chornlade-Genossenschaft und Geschäftsleiter am Idaplatz. Er erzählt von der wechselvollen Geschichte der «alternativen» Bioläden und Quartierläden, so wie der Chornlade sich heute positioniert.

Lukrative Pandemie

Etwa von den harzigen ersten fünf Jahren am Idaplatz und von der anstrengenden, aber auch «lukrativen» Pandemiezeit 2020/2021. Damals, als der «Chola», wie er im Volksmund heisst, als systemrelevantes Geschäft nicht nur Kund:innen bedienen durfte, sondern auch Hauslieferungen für vulnerable Personen machte.

Ein Dämpfer folgte mit dem Umzug des Chornlade von der Fierzgasse ins Zollhaus. 2021 eröffnet, musste der Laden nach eineinhalb Jahren bereits wieder geschlossen werden. Als Grund wurde damals die Konkurrenz der Grossverteiler im näheren Umkreis benannt. Eine weiterer Grund war die (zu) hohe Miete, welche man der Kalkbreite Genossenschaft abliefern musste. Diese vertrat die Haltung, dass das Gewerbe die Wohnungen quersubventionieren müsse.

Eine völlig unrealistische Sichtweise, wie Grützner findet: «Der Detailhandel steht heute generell mit dem Rücken zur Wand. Und die Bioläden ja noch viel mehr». Zwar schrieb der Chola Idaplatz in den letzten Jahren schwarze Zahlen. Aber die Situation sei «unruhig» geworden, sagt Grützner.

Leadbild

Spürbare Gentrifizierung

Die Umsatzzahlen deuten heuer auf ein durchzogenes Jahr hin, mit harzigem schlechtem Start und einem besseren zweiten Halbjahr. Generell habe die verkehrsberuhigte Weststrasse neben besserer Lebensqualität eben auch zur Gentrifizierung des Quartiers und Vertreibung von Menschen geführt. Viele sind weggezogen. Gleichzeitig werde es schwieriger, eine Stammkundschaft aufzubauen: «Es sind ja nicht nur die Grossverteiler mit ihrem Bioangebot, viel geht für uns auch mit dem Internet verloren», sagt der Geschäftsleiter.

Aufgegeben wird aber nicht. Vielmehr ist Vernetzung angesagt. Wie etwa mit dem POT-Netzwerk, das den Aufbau verschiedener Projekte von nachbarschaftlicher Lebensmittelversorgung unterstützt. Zudem ist der Chola Teil der Genossenschaft Vielgrün, einem Zusammenschluss von zahlreichen Schweizer Bioläden. Diese arbeitet mit regionalen Produzent:innen zusammen und pflegt das Netzwerk von Bio-Pionier:innen aus der Lebensmittelbranche. Neben verbesserten Einkaufsbedingungen wird Wert auf Geschäftstransparenz gelegt. Daraus liest sich ab, dass der Chola umsatzmässig im Schweizer Mittelfeld liegt. Immerhin.

Fragiles Idyll dank sozialem Engagement

Am Schluss weist Grützner nochmals auf die spezielle Situation am Idaplatz hin. Der mieterfreundliche Vertrag sei nur möglich gewesen dank dem sozialen Engagement der Eigentümerschaft. Das sei auch für die nächsten Jahre noch gewährleistet. Alles weitere ist offen. «Dank günstiger Miete können wir an dieser Lage existieren, bei ‘Marktüblichkeit’ wären wir schnell weg vom Fenster», sagt der nachdenkliche Geschäftsführer.

Samstag, 21. Dezember ab 13:30 Uhr: Suppe und Glühwein

www.chornlade.ch



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Der Guerrillagärtner ist tot



Veröffentlicht am: 21.12.2024

Seine Blumen machten Zürich wilder und schöner. Nun ist Maurice Maggi verstorben.

Pete Mijnssen (Text)

Die beiden Mädchen, die an der Bertastrasse Wildblumen am Strassenrand pflücken wissen nicht, wem sie dies zu verdanken haben. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, dass im Sommer an vielen Orten in Zürich wilde Blumen an der Strasse wachsen.

Sie – und wir alle, verdanken es dem «Guerillagärtner» Maurice Maggi. Vor 40 Jahre zog er erstmals los, um heimlich Malvensamen an Zürichs Strassenrändern auszusäen. Seither war er jeden Frühling unterwegs und begrünte auf eigene Faust die Stadt dort, wo sie ihm allzu kahl und grau erschien.

Der Malvenkönig
Maggi schätzte die Farbenpracht der Stockmalven – ein genügsames Gewächs, das längere Trockenperioden im Asphaltdschungel zu überstehen vermag. Die Malven würden den Verkehr beruhigen, war er überzeugt.

Und Maggi war noch viel mehr. Der autodidaktische Koch führte in den 90er-Jahren das SP-nahe Lokal Café Boy (heute geschlossen), eröffnete das Primitivo am Oberen Letten und konzipierte das asiatische Restaurant Lily’s mit, welches damals die verruchte Langstrasse chic machte. Im 2014 erschienenen Buch «Essbare Stadt» zeigte er, was sich Feines mit Wildpflanzen zubereiten lässt, die in Zürich zu finden sind.

Nachts unterwegs
Seine Malven, zu denen später weitere gut 50 Wildblumenarten dazukamen, bezeichnete Maggi als «Blumengraffiti»: Wie ein Sprayer kundschaftete er die Orte aus, an denen seine Kunst zur Geltung kommen sollten, um dann später bei Nacht und Nebel aktiv zu werden. Aus amtlichen Mitteilungen erfuhr er, wo Alleebäume gepflanzt wurden. In die noch lockere Erde streute er seine Samen.

Maurice Maggi

Maurice Maggi, der Malvenkönig. (Foto: Andrea Zahler)

2004, nach 20 Jahren, lüftete der bescheidene Gärtner sein bis dahin wohlgehütetes Geheimnis und zeigte an einer Ausstellung im Message Salon die Notizen, Skizzen und Fotodokumentationen in seiner Mission, die Stadt grüner und wilder zu machen.

Er wolle in den sterilen Neubauquartieren von Zürich Akzente setzen und Nischen schaffen, in denen sich nicht alles durchplanen und vorbestimmen lasse, sondern andere mitbestimmen könnten, sagte er im Dokumentarfilm «Floraler Anarchist» von Roland Achini (2009) -> Link. Seine Samenbomben waren ein stiller und geduldiger Protest gegen das von Städteplanern und Architekturbüros verordnete Geordnete.

Seine letzte Station war das Lighthouse in Zürich. Ende September verlor er den Kampf über die unheilbare Autoimmunkrankheit ANCA-Vaskulitis. Maurice Maggi wurde 69 Jahre alt. Wer führt wohl sein Erbe nun weiter?

https://vimeo.com/924995129



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Andere Weihnachten



Veröffentlicht am: 23.12.2024

Der Quartierladen Betulius organisiert noch bis am Vorweihnachtstag eine Sammelaktion für Menschen auf der Flucht. Gesucht werden Winterkleider, Rücksäcke, Handschuhe, alte Smartphones und anderes mehr. Die Ware wird nach Wien transportiert für Flüchtlinge auf der Balkanroute. 

Betulius &Töchter GmbH
Gertrudstrasse 68
Tel: +44 451 89 70
www.betuliusundtoechter.ch



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Andere Weihnachten II



Veröffentlicht am: 23.12.2024

Seit 15 Jahren kümmert sich das Kafi Klick um Armutsbetroffene. Im Oktober wurde dies gefeiert. Bis zu 20‘000 Besuche verzeichnen die Betreiber:innen pro Jahr. Ein Angebot mit grossem Echo. Und jährlich sind sie aufs Neue darauf angewiesen, genug Geld zu organisieren. 

Wer das Projekt unterstützen will, kann dies unter folgendem Link tun:

kafiklick.ch/unterstuetzen

oder

Kafi Klick
8055 Zürich
CH13 0900 0000 1542 7365 9
Postkonto 15-427365-9

 

Wir wünschen frohe Festtage und en Guete Rutsch!

Das Quartiernetz3-Team



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Das Laientheater lebt!



Veröffentlicht am: 21.12.2024

Ein Schwank ist Volkstheater pur. Auch bei Shakespeare findet man Elemente davon. Wie funktioniert das auf einer Quartierbühne?

Pete Mijnssen (Text und Fotos)

Nationalrat Ruedi Zeller steht vor der Wahl in den Bundesrat. Man erwartet ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und seiner intriganten Parteikollegin Stefanie Altherr. Das Zünglein an der Waage spielt dabei die Zentrumspartei, deren strengkonservative Fraktionschefin für eine definitive Wahlempfehlung den Kandidaten einem Eignungstest unterzieht.

Doch kurz vor ihrem Eintreffen eskaliert der Streit zwischen Ruedi und seiner Frau Tanja, die kurzerhand aus der gemeinsamen Hotelsuite stürmt.

Bundesratskandidat Ruedi instruiert das Zimmermädchen Anna-Lena für ihre Rolle als Ehefrau-Ersatz.

Bundesratskandidat Ruedi instruiert das Zimmermädchen Anna-Lena für ihre Rolle als Ehefrau-Ersatz.

Slapstick und Flachwitze

Auf dieser Rahmenhandlung basiert der Theatergruppe Friesenberg-Schwank mit seiner Situations- und Typenkomik. Da ist etwa das Zimmermädchen Anna-Lena, das anstelle von Ruedis Frau einspringen muss. Sie sieht darin ihre Chance als Sprungbrett für eine Hollywood-Karriere, dafür hat sie sich doch seit drei Wochen mit einem Improvisationskurs schon mal vorbereitet.

Da sind turbulente Verwechslungen natürlich vorprogrammiert – erst recht, wenn die richtige Ehefrau plötzlich wieder auf der Matte steht. Und nicht genug: ein liebestrunkener, tollpatschiger Zimmernachbar, eine hartnäckige Journalistin und nicht zuletzt die Tücken des maroden Hotelzimmers, lassen Ruedi verzweifeln. Viel Platz für eine rasante Verwechslungskomödie in bester Boulevard-Manier, «aufgelegte» und Flachwitze inklusive.

Das Publikum quittiert sie dankbar mit Lachern. Das Niveau wechselt zwischen bekannter Samstagabend-TV-Unterhaltung und überraschenden Slapstick-Einlagen, etwa wenn der tollpatschige Möchtegern-Casanova in Unterhose und Taucherbrille ins Zimmer platzt. Am Schluss sind alle wieder glücklich vereint, das Gute hat über das Böse gesiegt – alle haben etwas gelernt und sich dabei gut unterhalten. Solide, gut gespielte Unterhaltung.

Ups: Wie kommt der Ruedi da wieder raus?
Ups: Wie kommt der Ruedi da wieder raus?

Laienbühne mit langer Tradition

Fast interessanter ist die Geschichte der Laien-Schauspieltruppe, die es seit bald achtzig Jahren gibt. «2021 haben wir unser 75-jähriges Jubiläum gefeiert», erklärt Sprecher Reini David gegenüber Quartiernetz3. Das Ziel des Initianten Leo Seidl 1946 war lustiges Volkstheater, dessen Motto die Gruppe heute noch verfolgt.

Der Start erfolgte zeitgleich mit der Gründung des Bernhard Theaters, dessen berühmtester Protagonist der Schauspieller Emil Hegetschwiler war. Mit diesem wurde Seidl denn auch oft verglichen. Als er im Jahr 1969 verstarb, ruhte der Theaterbetrieb ein paar Jahre, bis sich die Gruppe 1976 neu formierte. International gesehen begann der Siegeszug des bereits populären Formats im Radio als TV-Sitcom vor millionenfachem Publikum mit festem Sendeplatz bis heute.

Auch die Theatergruppe Friesenberg blieb fleissig, bis heute blickt sie auf 75 Produktionen zurück. Zwar erfolgte vor drei Jahren ein coronabedingter Einbruch bei den Besucherzahlen, doch seither gehen sie wieder kontinuierlich nach oben, über 2600 Personen besuchten die 14 Aufführungen dieses Jahr. Interessant auch, wie die Laienschauspielgruppen untereinander vernetzt sind. So mischten sich auch 16 Theatergruppen unter die Besuchenden, um sich die Darbietung ihrer Kolleginnen und Kollegen anzusehen. Wer sagt denn da, immer weniger Menschen engagierten sich in ihrer Freizeit für ehrenamtliche Projekte? Mindestens für das Laientheater trifft das nicht zu.

www.theatergruppe-friesenberg.ch



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