Hip-Hop aus der Kirche

Seit Mitte Februar haben Jugendliche im Sihlfeld ein eigenes Tonstudio, in dem sie ihre musikalische Kreativität ausleben können. Ein Angebot, das einem Bedürfnis entspricht.

Text: Fabian Baumann, Bild: ZVG


Die Jugendlichen von Wiedikon rappen und mischen im neuen Studio ihren eigenen Sound.

Von aussen deutet nichts darauf hin, doch in der Andreas-Kirche sind seit etwas mehr als einem Monat regelmässig Hip-Hop-Beats und Bässe zu hören. Die Offene Jugendarbeit Zürich OJA betreibt in einem Luftschutzraum unter dem Gotteshaus das erste Jugend-Musikstudio im Sihlfeld. Es ist neben demjenigen des Jugendtreffs Kreis 4 eines der wenigen niederschwelligen Angebote in der Stadt, das sich an Jugendliche bis 20 Jahre richtet.

Das Studio ist nicht über Nacht entstanden, sagt Jugendarbeiter Raphael Jakob gegenüber Quartiernetz3. Vor etwas mehr als zwei Jahren kam im Umfeld des Jugendhauses die Idee des Tonstudios auf. «Musik war im Jugi immer ein wichtiger Teil», so Jakob. Jugendliche rappten zu Musik, allerdings fehlte ein Ort, an dem sie musikalische Ideen in Songs verwandeln konnten. Also machte sich Jakob an die Arbeit.

Der für ein Tonstudio geeignete Raum war dank Unterstützung der Kirchgemeinde Sihlfeld, die den Luftschutzkeller der Andreas-Kirche zur Verfügung stellte, schnell gefunden. Danach gelangte die OJA mit einer Projekteingabe an die Stadt Zürich, um die für das Musikstudio nötigen Betriebsmittel zu erhalten. Die eigentliche Verwandlung des Luftschutzkellers in ein Studio ging zügig und preiswert vonstatten. Umbau und Einrichtung kosteten gerade mal 20'000 Franken. Moderne Aufnahme-Software und ein hochwertiges Mikrofon machen es aber möglich, dass die Jugendlichen nun ihrer musikalischen Kreativität freien Lauf lassen können.

Das Angebot wird bereits fleissig genutzt. Beim Besuch von Quartiernetz3 spielt Raphael Jakob eine Passage eines Hip-Hop-Stücks ab, das ein Jugendlicher vor kurzem aufgenommen hat. «Den Beat hat er zu Hause am Computer produziert und hier im Studio eine Tonspur mit seinem Rap darüber gelegt», erzählt Jakob. Er betont, dass der Raum nicht nur als Studio, sondern auch als Begegnungsort gedacht ist. Es brauche auch kein Vorwissen, um das Studio zu nutzen. «Alle sind willkommen.» Aktuell findet jeweils am Mittwoch von sechs bis acht Uhr abends ein Workshop statt, an dem ein Musiker den Jugendlichen Tipps und Tricks im Umgang mit der Software gibt. Auch der Jugendarbeiter nutzt den Workshop, um dazu zu lernen.

 


OJA Musikstudio, Andreas-Kirche, Brahmsstrasse 100.
Öffnungszeiten: Mittwoch von 16-20 Uhr, Donnerstag von 18-21 Uhr.
Der Raum kann von Jugendlichen für maximal eine Stunde reserviert werden. Während den Öffnungszeiten ist es auch jederzeit möglich, das Musikstudio spontan zu besuchen.