Glosse: Regentanz
Text: Stefan Claudio
Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat sich das Nachsommerleben normalisiert und wir rasen bereits Richtung Herbst. Die Parkplätze in der blauen Zone sind wieder komplett gefüllt, im Coop Lochergut gewisse Artikel von der Hipsterhorde bereits leer gekauft. Auch die ausserkantonalen Besucher beehren uns wieder mit ihren automobilen Ausflügen. Und stellen an Wochenenden mit grösster Selbstverständlichkeit auch wieder Ihre kostbaren Automobile auf die nicht vorhandenen Parkplätzen.
Tanzen für Regen an der Streetparade?
Also alles wie gehabt nach den Ferien? Können wir nun wieder mit frisch geladenen Batterien frisch an Werk gehen? Abgesehen davon, dass zumindest der Schreiberling selber keine Ferien hatte, so werden gewisse Dinge nie mehr sein wie zuvor. Falls es an Ihnen vorbei gegangen ist: Zürich, Wiedikon und die Schweiz hatten den heissesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Folgen davon sind unübersehbar, und sind teilweise auch irreversibel. Gewisse kleinere Gletscher sind «einfach so verschwunden». Zurück bleibt eine Geröllwüste, alpine Steinsahara quasi. Die Gewässer führen noch immer so wenig Wasser wie seit langer Zeit nicht mehr, die Auswirkungen des fehlenden Regens sind auch im Quartier nicht zu übersehen. Braune bis blonde Rasenflächen lassen sich praktisch überall finden, grüne eher weniger. Eventuell wäre es langsam an der Zeit dass die Streetparade von einer banalen elektronischen Tanzveranstaltung mit jährlich wechselnden Mottos in ein fixes Regentanz-Festival umgewandelt wird. Der nächste Hitezsommer kommt bestimmt.
Infantino könnte es ja richten
Wobei ja das Schöne ist, dass wir als Quartiertbewohnende uns immer noch mit richtig wichtigen Themen beschäftigen dürfen. Sie ahnen es, auch in diese Ausgabe des QN3’s geht es nicht ohne Ämtlerwiese. Auch wenn die Stadt in der Causa «Ämtlerwiese» gewiss nicht alles richtig gemacht hat, so darf sie doch auch mal gelobt werden. Immerhin hat es die Stadt resp. Grün Stadt Zürich ja geschafft, dem neu gelegten Rasen auf der Ämtlerwiese genug Wasser zu geben, auf das er im Hitzezsommer nicht vertrocknete. Die temporäre Wiederinstandsetzung der Ämtlerwiese als einen der zentralen Orte, wo noch unkompliziert Fussball gespielt werden kann, dafür ist der Verwaltung ein Kränzchen zu winden.
Der temporäre Rückbau soll laut Medienberichten auch nicht ganz günstig gewesen sein (QN3 berichtete). Aber vielleicht kann da Gianni Infantino helfen, nach der WM hat die FIFA ja wieder gefüllte Kassen und die Förderung des Breitenfussballs liegt ihr ja auch am Herzen. Eine nette Anfrage an den Zürichberg würde auch nicht viel kosten. Wobei der Gianni Infantino laut Medienberichten momentan eher andere Sorgen hat.