
Die Spekulationsspirale dreht weiter
Wie kürzlich bekannt wurde, ist das Eckhaus an der Zentral-/Bertastrasse zum Höchstpreis verkauft worden. Ein weiteres Spekulations-Lehrstück im hippen Kreis 3. Dagegen regt sich Widerstand: So demonstriert etwa die Alternative Liste gegen Business-Apartments.
Pete Mijnssen, Text und Foto
Seit Jahren häufen sich die Meldungen über masslos überteuerte Häuserverkäufe in Wiedikon. Auch das Quartiernetz hat schon mehrfach darüber geschrieben. Die Folgen sind bekannt: Leeräumung, Renovation und anschliessend oft doppelt so teure Wohnungen wie vorher. Nicht immer gibt es ein Happy-End so wie beim Doppelwohnblock an der Saumstrasse, der vor zwei Jahren an die Wogeno verkauft wurde.
Damals hatte die Verkäuferin die beiden Häuser trotz Höchstangeboten der Genossenschaft verkauft. In den meisten Fällen laufen die Verkaufsverhandlungen jedoch darauf hinaus, dass die Objekte an den Meistbietenden gehen. Wie im Fall des Eckhauses an der Zentralstrasse 129, das Anfang Jahr an die P&P Properties AG mit Sitz in Baar verkauft wurde. Geschätzter Verkaufspreis zwischen 8 und10 Millionen Franken. Als einzige Managerin ist dort die chinesische Geschäftsfrau und Investorin Rongrong Hu eingetragen. Laut NZZ eine Tech-Investorin und Millionärin. Alle Mietenden haben die Kündigung erhalten, darunter auch der bekannte Quartierbuchladen Duplikat. Nun soll die Liegenschaft in Stockwerkeigentum umgewandelt werden. Neben Duplikat sind zehn Wohnungen und ein weiteres Geschäft betroffen.
Stadtbekannter Immobilienentwickler hat Hand im Spiel
Pikant: Die Hand im Spiel hat seit dem Inhaberwechsel die Verwaltung Fischer AG, bekannt durch den Immobilienentwickler und früheren Hausbesetzer Steff Fischer. Bekannt auch durch seine undurchsichtige Rolle beim Aufstieg und Fall des Kultur- und Kinokomplexes Kosmos 2022 an der Europa-Allee. Fischer ist zwar inzwischen aus der Firma ausgetreten. Der Szene-Geist, kombiniert mit knallhartem Business ist aber geblieben.
«Ich finde es stossend, dass nun jemand kassieren kann, ohne etwas ins Haus investiert zu haben.»
Duplikat-Betreiberin Marianne Studer
So wird die Liegenschaft auf deren Seite wie folgt beschrieben: «An der Ecke Zentralstrasse/Bertastrasse in Zürich befindet sich diese charmante Liegenschaft mit 10 Mietwohnungen und 2 Gewerbeflächen. Die zentrale Lage im lebendigen Kreis 3 bietet eine ideale Kombination aus urbanem Wohnen und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten für Gewerbetreibende. Die Liegenschaft vereint klassischen Altbaucharme mit modernem Wohnkomfort und bietet ihren Bewohner:innen eine hervorragende Anbindung an das Stadtleben.» Fragt sich: Wie lange noch?
Vogel friss oder stirb
Denn die jetzige Bewohnerschaft hat nun die Wahl, viel Geld in die Hand zu nehmen, um ihre Wohnung zu kaufen, oder auszuziehen. So oder so müssten die Renovations-Kosten dann von den neuen Stockwerkeigentümer:innen übernommen werden. Duplikat-Betreiberin Marianne Studer sagt gegenüber Quartiernetz3: «Ich finde es stossend, dass nun jemand kassieren kann, ohne etwas ins Haus investiert zu haben». Diese Spekulations-Spielart «Vogel friss oder stirb» war in Wiedikon mit seinen vielen Genossenschaftsbauten bisher unbekannt.
Kundgebung gegen Business-Appartments
Inzwischen hat die Alternative Liste (AL) unter dem Motto «Reclaim Wiedikon» eine Kundgebung gegen die um sich greifenden Business-Appartments mobilisiert. Damit werden Wohnungen in kommerzielle Business Apartments umgewandelt. Einher geht damit der Verlust von bezahlbarem Wohnraum und damit Platz für Menschen, die im Kreis 3 leben. Zwar hat der Zürcher Gemeinderat bereits vor vier Jahren beschlossen, dass diese Umnutzungen nicht mehr als regulärer Wohnraum gelten und in Wohngebieten verboten werden. Dennoch wurde diese Forderung bis jetzt vom Stadtrat nicht umgesetzt. Mit der Kundgebung soll dem Anliegen nun Druck verliehen werden.