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Die Neuen: Lea Hürlimann (links) und Aurelia Stirnimann.

Aus Schiwago wird Et cetera

Alles neu macht der Mai. An der Traditionsecke Berta-Goldbrunnenstrasse weht ein neuer Wind. Und was für einer, wie die ersten Wochen zeigen.


Pete Mijnssen, Text und Fotos

Das neue Lokal, wo bis vor Kurzem Schiwago residierte, hat einen fulminanten Start hingelegt. Wir treffen die beiden Betreiberinnen Lea Hürlimann und Aurelia Stirnimann an einem für einmal ruhigen Ruhetag im frisch renovierten Lokal. Die Memorabilien von Christian Egger sind alle weg, auch das Achtzigerjahre Stuben-Ambiente. Nur der blaue Anker an der Fassade und ein Teil der mit Glyzienen überdachten Terrasse ist geblieben. Innen dominieren nun abgetönte Wände und Täfer mit geschmackvollem Holzmobiliar. «Modern aber nicht kühl», betont Lea Hürlimann. Die Töne seien warmgehalten, was wichtig sei für eine Quartierbeiz. Und ja, «rasant» sei es angelaufen, schmunzeln beide. Nicht zuletzt dank dem Prachtswetter, das für den Terrassenbetrieb ideal war.

Erfahrung in der Hotellerie

Den beiden Geschäftsführerinnen war ein Ruf vorausgeeilt und jetzt wollten bei der Eröffnung alle dabei sein. «Das Publikum in Zürich ist bereit, Neues auszuprobieren» konstatiert Stirnimann zufrieden. Ihr Handwerk stellten sie in den letzten zwei Jahren im Berggasthaus Casa Alpina Belvedere auf der Alp Grüm unter Beweis, einem Sommerbetrieb auf 2'200 M.ü.M. Schon vorher hatten sie Gastroerfahrung: Stirnimann ist Gastrofachfrau, Hürlimann hat die Tourismusfachschule absolviert. Für beide war ein Restaurantbetrieb schon immer ihr Herzensprojekt. Auch wenn für sie klar ist, dass Leidenschaft vor Profitdenken kommen muss. Schliesslich ist die Gastrobranche oft ein hartes Pflaster. So suchten die beiden im Quartier wohnenden zweieinhalb Jahre lang ein geeignetes Objekt: eine gute Location, zahlbar und mit Terrasse. Im Schiwago wurden sie mit Christian Egger rasch einig. Dieser suchte nach 10 Jahren altershalber eine Nachfolgelösung. Frage von der Stammkundschaft: Wird es im neuen Lokal auch noch Metzgete, oder die berühmten «Räuberhöhle» – Moules Frites geben?

Vollgepackte Terrasse bei Prachtswetter.

Neues Gastrokonzept

Nun ja, die neue Karte ist jetzt radikal anders. «Regional, lokal ja – es darf auch mal Fleisch sein, ist aber nicht das Hauptziel», erläutern sie ihr Konzept. «Unsere sorgfältig ausgesuchten Produkte stehen im Vordergrund und wir bauen die Menüs drumherum». Einfach anzusehen, aber mit viel Arbeit dahinter. Und wenn Fleisch, dann müsse das Tierwohl im Vordergrund stehen. Weidefleisch ja, aber nur wenn es sich ergibt. Zurzeit wird Bio-Schweinsschulter vom lokalen Lieferanten angeboten. Ein wichtiger Teil der Küche basiert auf Sauerteig-Zutaten, inklusive Patisserie/Backwaren – alles ist selber gemacht. Die beiden Geschäftsführerinnen können dabei auf einen Teil ihres bewährten Teams zählen. Zurzeit sind acht Personen im Service und in der Küche aktiv. Wenn möglich sind Hürlimann und Stirnimann immer vor Ort. Auch wenn das zurzeit mehr als hundert Prozent sind. «Wir sind gekommen, um zu bleiben», sagen sie unisono. Zehn Jahre sollen es werden.

www.etcetera.ch

Öffnungszeiten: Mittwoch – Sonntag (Mi-Fr ab 9.00, Sa/So ab 10.00 Uhr)